Düsseldorf, 03.12.2020, von Michaela Donner/Golzar Falatoon-Zadeh

Ein Pool von Gleichgesinnten

Vor einiger Zeit erhielten wir einen Bericht über das Technische Hilfswerk (THW) von Golzar Falatoon-Zadeh. Die 19- jährige Abiturientin ist die Tochter einer Helferin aus unserem Ortsverband. Besonderes Interesse hat sie an dem Bereich Journalismus und schrieb als Chefredakteurin für die Schülerzeitung ihrer damaligen Schule. Durch die young leaders Akademie nahm sie an einer Bildungsveranstaltung teil, die das Ehrenamt betrifft und wurde so auf das THW aufmerksam. Mit dem Bericht nimmt Falatoon-Zadeh an einem Journalistenwettbewerb teil. Sie hatte auch die Möglichkeit, den THW Ehrenpräsident Albrecht Broemme zu treffen. Da wir uns sehr über diesen Bericht gefreut haben, möchten wir diesen auch veröffentlichen.

Bild: Golzar Falatoon-Zadeh gemeinsam mit THW Ehrenpräsident Albrecht Broemme

Ob nach dem Erdbeben 2019 in Nepal, während der aktuellen Coronapandemie weltweit oder bei der Explosion in Beirut im August diesen Jahres, das Technische Hilfswerk war stets zur Stelle. Da sein für andere - das ist das Motto der THWler. Auch die young leaders Akademie lädt jährlich jugendliche Multiplikatoren auf Veranstaltungen ein, die sich, wie die THWler, in ihrer Freizeit für andere stark machen. Auf der Medienbörse des diesjährigen 172. Jugend Presse Kongresses in Potsdam trafen auf diese Weise die „young leaders“ auf Helfer*innen des Technischen Hilfswerks (THW).  

 

Vom kleinen Jungen mit Traumberuf Spielwarenverkäufer zum Ehrenpräsidenten des THWs-Albrecht Broemme


Auf der Medienbörse des Jugend Presse Kongresses sprach der Ehrenpräsidenten des THWs, Albrecht Broemme, über das Ehrenamt beim Technischen Hilfswerk.

Ein Grund zum THW zu kommen war für den damals 17-jährigen Schüler aus Darmstadt die vielfältige Ausbildung dort, die förderlich sei für jede berufliche Karriere. Das THW ist ein „Ort für Menschen, jung oder alt, in allen Lebenslagen“, denn es ist ein „Querschnitt der Gesellschaft.“

„Ob Schüler*innen, Studierende, Arbeitslose, Ingenieur*innen, Verkäufer*innen oder Vorstände.“- Ganz egal! Leute aus allen Berufsschichten sind im THW vertreten.
Für Broemme ist das THW viel mehr als nur ein Beruf: „Das THW ist eine Lebenseinstellung“.

 

Doch was ist das THW eigentlich...

Das technische Hilfswerk ist eine deutsche Zivil- und Katastrophenschutz-Organisation, bei der sich in 668 Ortsverbänden, 66 Regionalstellen und 8 Landesverbänden bundesweit mehr als 80.000 freiwillige ehrenamtliche Helfer*innen bei rund 10.000 Einsätzen im Jahr engagieren. Etwa 15.000 davon sind Jugendliche. Dabei arbeitet das THW eng mit Feuerwehr und Polizei zusammen. Es heißt: Da wo die Feuerwehr nicht mehr drankommt, da kommt das THW mit seinen hochausgebildeten Spezialeinheiten zur Stelle. Die Struktur des THW ist weltweit einmalig: Das THW als Bundesanstalt gehört organisatorisch zum Geschäftsbereich des Bundesministers des Innern, für Bau und Heimat. Jedoch sind nur zwei Prozent der Mitarbeiter hauptamtlich für die Behörde tätig, denn 98% des THW besteht aus freiwilligen Ehrenamtler*innen. Die Einsatzbereiche der Katastrophenschutzorganisation sind vielfältig.
Die Bundesanstalt hilft beispielsweise bei Bergungen, Ortungen, Stromausfällen, leistet Flüchtlingshilfe und befindet sich zurzeit auch im Kampf gegen das Coronavirus, wie durch die Errichtung von Hygienestationen und Corona-Testzentren zum Beispiel. So baute das THW in diesem Jahr Corona bedingt ein Krankenhaus in Berlin in nur vier Wochen. „Das wichtigste ist es, sich ein klares Ziel zu setzen.“, erwiderte der Ehrenpräsident des THW stolz.


…und wie entwickelte es sich geschichtlich?


Das Technische Hilfswerk blickt auf eine ereignisreiche Entwicklung und viele Jahre ehrenamtlichen Engagements zurück. Am 22. August 1950 wurde das THW durch Otto Lummitzsch im Auftrag des Bundesministeriums gegründet. Über die Jahrzehnte entwickelte sich das THW immer weiter. Seit rund 60 Jahren ist das THW täglich und rund um die Uhr in Deutschland im Einsatz, um dort zu helfen, wo sonst keiner helfen kann- angefangen bei Unglücken wie der Sturmflut in Hamburg.

Katastrophenschutz leistet das THW jedoch nicht nur in Deutschland. Die „Blauen Engel“, wie die Helfer*innen des THW im Jahr 1999 von den französischen Bürgern getauft wurden, halfen beispielsweise nach dem Orkan „Lothar“ bei der Beseitigung der Schäden in Frankreich.

Nach Hurrikan Katrina (2005) leistete das THW zum ersten Mal in seiner Geschichte in den Vereinigten Staaten Hilfe. Als 2010 Haiti von einem schweren Erdbeben heimgesucht wurde, eilte das THW zur Hilfe - die Ehrenamtler*innen sorgten für eine stabile Trinkwasserversorgung, unterstützen die deutsche Regierung bei der Koordinierung der deutschen Hilfsmaßnahmen  und halfen somit, die Krise gut zu überbrücken. Aber nicht nur Naturkatastrophen bedeuten für das THW in den Einsatz zu ziehen: Auch in humanitären Katastrophen wie der Flüchtlingskrise tritt das THW in Aktion. So bauten die freiwilligen Helfer*innen in kürzester Zeit ein Flüchtlingscamp, das weit mehr als 100.000 Geflüchteten Schutz vor dem Bürgerkrieg bot. Auch hilft das THW aktuell nach dem Brand im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos den Geflüchteten durch den Transport von Hilfsgütern.

Somit ist das THW heute als Bundesanstalt und moderne Hilfsorganisation weltweit tätig und arbeitet dort mit anderen Organisationen und Partnern oft eng zusammen, wie mit den Vereinten Nationen und auch der Europäischen Union. Wichtig dabei ist, dass für den Auslandeinsatz des THWs eine Bedingung erfüllt werden muss: Das betroffene Land muss an Deutschland ein Hilfeersuchen gestellt haben. Durch seine Einsätze nach Unglücken und mit seinen langfristig angelegten Wiederaufbauprojekten leistet die „Feuerwehr in blau“ im Namen der Bundesrepublik auf diese Weise weltweit humanitäre Hilfe und war seit seiner Gründung inzwischen in mehr als 130 Ländern aktiv.

 

Spielend helfen lernen:

Die THW-Jugend für Kinder und Jugendliche von 6-17 Jahren

 

Auch Kinder ab sechs Jahren sind beim THW in Jugendgruppen aktiv und können an Zeltlagern teilnehmen, wo sie spielerisch an den Zivil- und Katastrophenschutz herangeführt werden. Bereits ab 16 Jahren ist eine Grundausbildung beim THW möglich. Nach oben hin ist das THW offen und heißt jeden willkommen.
Laut Broemme können „junge Menschen, die sich für das THW interessieren, einfach mal vorbeischauen und dort praktische Dinge, die selbstverständlich ungefährlich sind, üben. Natürlich geht es für die Jugendlichen nicht nur um die pure THW Arbeit, sondern auch um Spiel und Spaß. Sie können an praktisch orientierten Wettbewerben teilnehmen und ein Mal im Jahr ein Feriencamp besuchen. Das Wichtigste, was die Jugendlichen dabei lernen ist, sich zu engagieren und zu behaupten. Also sogenannte Soft Skills.“

 

"#kompetent #professionell #freiwillig - nur so geht Katastrophenschutz"

-Der Leitgedanke des THW

Seit seiner Gründung hat sich das THW in vielerlei Hinsicht weiterentwickelt.

Von Anfang an jedoch gleich geblieben ist der Leitgedanke und die Kernaussage der Bundesanstalt, der für jeden der 80.000 freiwilligen Helfer*innen an oberster Stelle steht. Sich ehrenamtlich für den Schutz der Bevölkerung und notleidende Menschen zu engagieren, ist eine humanitäre Idee, die das THW nicht nur im Inland, sondern auch weit über die Grenzen der Republik und Europas hinaus auszeichnet. „Helfen können und helfen lernen.“ – das ist das A und O als Ehrenamtler*in.

Das THW in nur einem Wort? „Verbundenheit- Verbundenheit mit der THW-Familie“. Das bedeutet das Technische Hilfswerk für Frau Dr. Lawrenz, Geschäftsführerin der THW-Stiftung, durch die das THW finanziell unterstützt wird.

Gegen Ende seines Vortrags lag Broemme eine Sache besonders am Herzen: „Wenn sie es in ihrem Berufsleben irgendwann einmal nach oben schaffen und dann Vorstände und Chefs sind, werden sie hoffentlich auch Leute haben, die sich ehrenamtlich betätigen und dann ab und zu mal zu Einsätzen wegmüssen. Mein Wunsch ist es für genau solche Momente: Fördern sie das Ehrenamt. “

Denn für Broemme ist das Ehrenamt etwas, was man freiwillig tut, gleichzeitig jedoch auch eine Verpflichtung der Gesellschaft gegenüber eingeht. Broemme zitiert an dieser Stelle gerne den ehemaligen Präsidenten, J.F. Kennedy: „Wenn eine freie Gesellschaft den Vielen nicht helfen kann, die arm sind, kann sie die Wenigen nicht retten, die reich sind.“

 

 

 


  • Bild: Golzar Falatoon-Zadeh gemeinsam mit THW Ehrenpräsident Albrecht Broemme

Alle zur Verfügung gestellten Bilder sind honorarfrei und dürfen unter Angabe der Quelle für die Berichterstattung über das THW und das Thema Bevölkerungsschutz verwendet werden. Alle Rechte am Bild liegen beim THW. Anders gekennzeichnete Bilder fallen nicht unter diese Regelung.


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